Vorstellung aktuell geförderter Projekte

 

01.01.2018 – 31.12.2019
In der aktuellen Förderperiode werden derzeit drei Projekte gefördert, die auf den Ergebnissen der bisherigen Perioden aufbauen. Weitere mögliche Förderprojekte sind derzeit in Evaluation.

Therapeutische Nutzung von T-Zell-Zielstrukturen und TAM-Inhibitoren

Projektleiterin: Prof. Dr. Christel Herold-Mende, Experimentelle Neurochirurgie, Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg

Prof. Dr. Herold-Mende beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Einfluss des körpereigenen Immunsystems auf den Krankheitsverlauf von Krebspatienten und inwieweit sich diese Erkenntnisse für die Entwicklung von Immuntherapien nutzen lassen.

Hierbei spielen insbesondere weiße Blutzellen des Immunsystems, die sogenannten T-Zellen, eine maßgebliche Rolle. Nach der Aktivierung sind sie in der Lage, definierte Strukturen auf Tumorzellen zu erkennen und diese daraufhin zu zerstören. Da diese Tumorstrukturen als Angriffsziel von Immuntherapien dienen können, besteht das Ziel dieser Arbeit darin, weitere Tumorstrukturen zu identifizieren und deren Eignung für wirksame Immuntherapien zu testen.

Die Effektivität von T-Zellantworten wird jedoch durch Tumorzellen, aber auch durch andere Immunzellen beeinträchtigt, die in die Tumorumgebung einwandern. Insbesondere Mikrogliazellen und Makrophagen nehmen unter dem Einfluss von Tumorzellen einen Phänotyp an, der die Einwanderung von T-Zellen in das Tumorgewebe vermindert, T-Zell-Antworten abschwächt und zugleich das Tumorwachstum fördert. Aus diesem Grund soll zudem getestet werden, ob Inhibitoren, die spezifisch gegen immunsuppressive Mikrogliazellen und Makrophagen gerichtet sind, eine erhöhte Einwanderung von T-Zellen in das Tumorgewebe sowie eine verstärkte T-Zell-Antwort gegen Tumorzellen bewirken können.

 

Identifikation immunsuppressiver Mechanismen im Glioblastom und ihre Evaluation als therapeutische Angriffspunkte

Projektleiterin: Prof. Dr. Katrin Lamszus, Neurochirurgische Universitätsklinik Hamburg

Prof. Dr. Lamszus beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Interaktion zwischen bösartigen Hirntumorzellen und dem umgebenden Hirngewebe. Dabei konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass spezielle metabolische Veränderungen in Glioblastomzellen zu einer verstärkten Invasion des Tumors führen, durch die das normale Hirngewebe zerstört wird.

Über die metabolischen Adaptationsmechanismen hinaus wurden Hinweise gefunden, dass das körpereigene Immunsystem einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung des Tumors hat, so dass bei einem funktionstüchtigen Immunsystem ganz bestimmte Tumorzellklone im Tumor dominieren, die maßgeblich für dessen fortschreitendes Wachstum verantwortlich sind.

Die neue Forschungsarbeit hat das Ziel, die Immun-unterdrückenden Mechanismen in Glioblastomen detaillierter zu untersuchen und hierdurch therapeutische Angriffspunkte aufzudecken. Dabei sollen Moleküle identifiziert werden, die im Tumor sowie auch im umgebenden normalen Hirngewebe heraufreguliert werden und die Unterdrückung einer effektiven Immunreaktion gegen den Tumor bewirken. Außerdem wird in dem Projekt untersucht, welchen Einfluss die Sekretion von Vesikeln (Exosomen und Microvesikel), die eine Vielzahl von bioaktiven Komponten zwischen den Tumorzellen und normalen Zellen hin- und herschleusen können, auf die Unterdrückung des Immunsystem hat.

Diese Arbeiten werden helfen, die immunsuppressiven Mechanismen in Glioblastomen besser zu verstehen und herauszufinden, auf welcher Ebene der Kommunikation zwischen Tumor- und Immunzellen sich therapeutische Ansatzpunkte bieten.

 

Neue Perizyten in Tumorblutgefäßen stammen aus einem bislang unbekannten Perizytenvorläufer-Zelltyp

Projektleiter: Prof. Dr. Rainer Glaß, Neurochirurgische Universitätsklinik München

In unserem aktuellen Forschungsprojekt können wir zeigen, dass Perizytenvorläuferzellen stark zur Neoangiogenese bei Glioblastomen (GBM) beitragen. Unter physiologischen Voraussetzungen kontrollieren Perizyten die Stabilität der Blutgefäße des ZNS und steuern die Blut-Hirn-Schranke. Perizyten sind eng mit Endothelien assoziiert und können mittels bestimmter Markerproteine identifiziert werden. Die tumorbedingte Neo-Angiogenese macht die Neubildung von Perizyten erforderlich. Wie neue Perizyten in ZNS-Neoplasmen gebildet werden ist aber unbekannt. In unseren Studien beobachteten wir, dass neue, reife Perizyten in GBM größtenteils von einem bislang nicht charakterisierten Vorläufer-Zelltyp stammen. Diese Vorläuferzellen sind Perizytenmarker-negativ, nicht mit den Endothelien assoziiert Zellen und nicht-hämatopoetischen Ursprungs. Gezielte Ablation der Perizytenvorläuferzellen in Hirntumormodellen in vivo zeigte, dass dieser Zelltyp eine wichtige Funktion bei der Tumorexpansion einnimmt. In unserem aktuellen, von der Anni-Hofmann-Stiftung geförderten, Projekt untersuchen wir, wie Perizytenvorläuferzellen die vaskuläre Plastizität steuern und wie wir diesen Zelltyp als target neuer Therapieformen beim GBM nutzen können.

 

„Die Anni Hofmann Stiftung ermöglicht die Erforschung neuer Behandlungsstrategien für das Glioblastom, indem sie vielversprechenden Konzepten eine Perspektive bietet. Die Studien werden hier regelmäßig kritisch analysiert, offen diskutiert und fortlaufend weiterentwickelt.“ 

Prof. Dr. Rainer Glass